BRAUN & HAMMER  … im Wahn

Der 2. psychologische Roman mit Anklängen eines Thrillers


Kurzbeschreibung:

Während es in „Narzissmus brutal“ noch der äußerst versierte und selbstbewusste Psychotherapeut Tilmann Braun war, der von einem überaus persönlichkeitsgestörten Patienten an die Grenzen seiner Professionalität und seines Verstandes getrieben wurde, trifft es dieses Mal seinen Freund und Kollegen Peer Hammer. Der eher behäbige und hedonistische Peer tapst, von diagnostischen Irrungen und Wirrungen gebeutelt, seinem Patienten Karl Häusler immer weiter in das verminte Gelände zwischen religiösem Wahn und bizarrer Zwangsstörung hinterher. Was harmlos als scheinbar normale Therapie beginnt, mündet mal wieder in eine einzige Katastrophe.
Gibt es am Ende Rettung für das Leben und Lieben Peers oder ist es dieses Mal doch zu spät? Sowohl die fiktiven Protagonisten und Inhalte der beschriebenen Fälle inklusive der jeweiligen Störungsbilder in den Geschichten sind zwar absolut spektakulär und überzeichnet, jedoch könnte es selbige in ähnlicher Form prinzipiell geben. Lassen sie sich aber, komme was da wolle, in die Welt des gefährlich Irrationalen, manchmal Verrückten und Wahnsinnigen entführen.

Braun & Hammer im Wahn - Heinz-Gerhard Witte & Holger Schmidt

Erst einmal Lesung anstatt Leseprobe:

  • Fr., 30.06.17 ab 20.00 Uhr
    Altstadt Osnabrück "Kleines Fest in den Höfen"

    www.altstadt-osnabrueck.de/hoefefest.html
  • Di., 04.07.17 ab 19.00 Uhr
    StadtgalerieCafé, Große Gildewart 14
  • Do., 07.12.17 ab 18.00 Uhr
    Das Wein Cabinet,
    Bierstraße 7

BRAUN & HAMMER - Narzissmus.Brutal.

Ein Buch, das anders ist und überrascht...


Kurzbeschreibung:

Die Psychologen Braun und Hammer sind vertraute Freunde und tauschen sich auch fachlich aus. Besonderer Redebedarf besteht, weil Patient Theodor Konrad Wolf, der an einer schweren und brutalen Form von Narzissmus leidet, Braun selbst in den Wahnsinn treibt. Die Therapeuten geraten an die Grenzen ihres psychologischen Auftrages, als klar wird, dass sich ein Verbrechen anbahnt und der Narzisst dabei einen teuflischen Plan ausheckt.


Leseprobe:



Nachdem er sie, ihren Kopf zum Fußende gerichtet, ans Bett gefesselt hat, stellt er sich vor sie und spricht mit seiner nicht verstellten Stimme: »Schau mich an, wenn du kannst, Tamara Kleinschmidt!« Theodor Konrad wuschelt sich durch das gegelte Haar und setzt die Brille ab.

»Erkennst du mich jetzt?« Tamara Kleinschmidt gefriert das Blut in den Adern. Irgendwie, eher unterschwellig, kam dieser Mann oder etwas an ihm, ihr von Anfang an bekannt vor. Da sie aber so aufgeregt war, konnte sie diesem Gedanken nicht nachgehen und hatte nur versucht, ihre Gefühlswallungen in den Griff zu bekommen.
Jetzt steht Herr Wolf vor ihr, der Mann, der sie schon bei der Arbeit so anwiderte. Jedes Gespräch mit ihm war eine Qual und es fiel ihr jedes Mal schwerer, freundlich zu bleiben. Seine
unglaublich überhebliche, selbstgefällige und teils aggressive Art raubten ihr den letzten Nerv. Aber jetzt sitzt, nein, steht er am längeren Hebel, denkt sie resigniert mit einem letzten ironischen Aufbäumen. Dann beginnt sie, sich ins Unvermeidliche zu fügen.
»Ich werde dich für deine Arroganz, Ignoranz und Überheblichkeit büßen lassen.«
»Aber, Herr Wolf, ich bitte Sie, wir können doch über alles reden!«
»Du brauchst nichts zu erbitten. Wenn ich bei dir war, im Jobcenter, bist du auf keine meiner Bitten eingegangen. Und du hast meine Wünsche und Vorstellungen ignoriert, mich vorgeführt und über mich gelacht, wenn ich gegangen bin. Nein, ich werde auf keine deiner Bitten eingehen. Du bist mir jetzt absolut ausgeliefert!«

Tamara Kleinschmidt rast der Puls. Das Herz schlägt ihr bis zum Hals, als wenn es gleich zerspringen will. Sie ist gefangen, reißt verzweifelt an den Fesseln, versucht vergeblich, sich zu befreien. Theodor Konrad fängt laut an zu lachen: »Jetzt erfährst du, wie ich mich bei dir gefühlt habe! Jetzt erfährst du, was Demütigung bedeutet!« Das perfide Spiel kann endlich beginnen. Sein Opfer liegt vollkommen wehrlos vor ihm und wird seinen geballten Hass zu spüren bekommen.

Am nächsten Morgen schreckt Tamara Kleinschmidt, nach einer mehr als unruhigen Nacht, hoch. Panisch rast ihr Herz und Schweiß steht ihr auf der Stirn. Das kann nur ein schrecklicher Albtraum gewesen sein, denkt sie, hofft sie. Als sie sich im Bett umdrehen will, um auf ihren Wecker zu schauen, schreit sie vor Schmerzen laut auf: »Auaaa!!!«
Ihr ganzer Unterleib brennt wie Feuer, als wenn jemand mit einem langen Messer versucht hätte, ihr Innerstes zu entfernen, ohne sie vorher narkotisiert zu haben. Unendlich schwach und erschöpft lässt sie sich wieder auf den Rücken fallen. Nein, sie hatte nicht geträumt. Nein, diese
Bilder sind keinem Traum entsprungen. Diese Bilder, das ist ihr jetzt bewusst, würde sie nie vergessen können. In diesem Moment, als der Mann mit dem heftig erigierten Glied wieder in ihr Gedächtnis kommt, wird ihr übel. Sie versucht die Bettdecke von sich zu schmeißen, um schnell zur Toilette zu kommen. Wieder verspürt sie diese unerträglichen Schmerzen, jetzt auch an den Hand- und Fußgelenken, an denen sie gefesselt war. Gerade noch, aber nicht weit genug, wirft sie den Kopf zur Seite, Richtung Bettkante. Sie erbricht sich schwallartig und das
Erbrochene gleitet von der Matratze herunter auf das Laminat. Der stechende Geruch steigt ihr in die Nase, begleitet von den schrecklichen Bildern des gestrigen Sextreffens.

Sie lag gefesselt auf dem Bett und ihr Peiniger hatte sich zu erkennen gegeben: Theodor Konrad Wolf! Sie hatte sofort um Hilfe schreien wollen, als sie auf dem Bett liegend gefesselt war. Denn sie wusste, dass ihr Peiniger sie quälen wollte. Doch dazu kam sie nicht, denn er steckte ihr einen Knebel in den Mund: eine alte Socke. Er wollte sie also nicht nur quälen, er wollte sie komplett erniedrigen. Damit sie die Socke nicht ausspucken konnte, hatte er ihr noch ein raues Seil um die Mund gespannt. Immer und immer wieder drang er brutal in sie ein und beschimpfte sie. Es war eine Unendlichkeit, die sie ihm ausgeliefert war. Am Ende hatte er sie noch erpresst. Sie musste mit ihm zusammen in eine Kamera schauen und sagen:
»Theodor Konrad, das war der geilste Fick meines Lebens. Genau so habe ich es gewollt.«
Nur um endlich von ihm loszukommen, hatte sie sich zusammen gerissen, in die Kamera gelächelt und die beiden Sätze aufgesagt. Sie wollte einfach nur weg, einfach nur nach Hause und der Situation entfliehen.
»Was soll ich nur tun?«
Tamara Kleinschmidt schläft an diesem Morgen nicht mehr ein. Inzwischen hat sie vier Novalgin genommen, eigentlich zuviel, aber sie musste die Schmerzen loswerden. Als die Wirkung eingesetzt hat, hat sie notdürftig das Bett gereinigt und sich ins Wohnzimmer geschleppt. Auf dem Sofa in eine Fleecedecke gehüllt, geht sie jetzt alle Möglichkeiten durch. Ihr erster Gedanke ist, Herrn Wolf bei der Polizei anzuzeigen. Wie war noch sein Vorname, grübelt sie. Er hat doch einen so schrecklichen Vornamen… Ach ja, Theodor Konrad, fällt es ihr ein. Sofort wird ihr wieder übel, aber sie muss sich nicht mehr erbrechen. Oh Schreck, dann weiß die Polizei, was sie in ihrer Freizeit macht, wie sie Männer kennenlernt und welche sexuellen Neigungen sie hat. Vor Entsetzen reißt sie die Augen weit auf und lässt sich noch tiefer in das Polster der Sofalehne sinken. Nein, die Blöße kann sie sich auf keinen Fall geben. Dann fällt ihr wieder die Kamera ein und sie schreit laut: »Du verdammtes Arschloch!«
Aber sie muss unbedingt mit einem Menschen über das gestrige Trauma reden, irgendwie den inneren Druck und die unendliche Scham loswerden. Doch wem soll sie es erzählen? Weder ihre beste Freundin, noch ihre Mutter kommen in Frage. Aber andere vertraute Menschen gibt es in ihrem Leben nicht. Und was soll sie machen, wenn er wieder zu ihr ins Jobcenter kommt? Guten Tag Herr Wolf, wie geht es Ihnen? Haben Sie sich erfolgreich beworben? Kann ich Ihnen helfen? Nein, das ist völlig unmöglich.
Tamara Kleinschmidt ist hilflos. Und dann muss sie sich auch noch eingestehen, dass sie sich freiwillig mit diesem Schwein getroffen hat. Wieder kommen die Bilder vom letzten Tag hoch und sie muss würgen. Immer wieder war er mit starker Wucht in sie eingedrungen, hatte sie auf das Übelste beschimpft, sie geschlagen und an ihren Haaren gerissen. Ja, Fesselspiele hatte
sie schon mit anderen Männern ausprobiert. Die waren aber sehr vorsichtig gewesen, achteten auch auf ihre Erregung. So war es für beide ein explosives Erlebnis. Sie waren behutsam
mit ihr umgegangen, sodass ihr das Gefesseltsein ein unglaubliches Glücksgefühl beschert hatte.
Tamara Kleinschmidt kann nicht anders, als den drängenden Gedanken weiter ihren Lauf zu lassen. Sie befällt die Ahnung, dass ein Teil ihrer Seele vielleicht unwiederbringlich zerstört ist. Bis gestern hatte sie noch ein unbestimmtes Gefühl, dass sich ihr Leben und ihr Beziehungsleben eines Tages noch zum Guten wenden könnten. Doch jetzt würde sie sich noch viel mehr zurückziehen. Nie mehr würde sie auf Männer zugehen können und in sich gefangen bleiben.

 

Ja, ich lebe in einem Gefängnis. Für immer! Tamara Kleinschmidt muss bitterlich weinen.